Musterplakat

Plakat entwerfen

Plakate gehören zu der Grundausstattung jeder Öffentlichkeitsarbeit in der Jugendarbeit. Und auch wenn diese in den letzten Jahren durch das Internet und seine sozialen Netzwerke immer mehr an Bedeutung verloren haben, so zeigen sie doch deutlich die Präsenz eurer Arbeit. Das kann euch auch bei der Akzeptanz von Erwachsenen und eurem Träger helfen.

Das Werkzeug

Was brauchen wir zum Erstellen eines Plakats? Heutzutage natürlich am besten einen Computer und eine Grafiksoftware. Letztere gibt es wie Sand am Meer und es eignen sich viele dafür. In der Vergangenheit habe ich persönlich meine Erfahrungen mit GIMP, Scribus und Inkscape gemacht. Alles drei Open-Source-Software und somit garantiert kostenlos.

GIMP ist eine Grafiksoftware und freies Pendant zu Photoshop. Problem dabei: Erstellte Grafiken lassen sich nicht so einfach hochskalieren (also größer machen) ohne Qualitätsverluste. Scribus ist ein Werkzeug, mit dem man ganze Zeitschriften setzen kann. Ist definitiv geeignet, aber schwerer zu lernen und manchmal muss man doch noch auf andere Software zurückgreifen. Inkscape ist leicht zu lernen und kann alles, sofern man nicht mehrseitige Flyer erstellen will und somit mein Tipp. In einem späteren Artikel werde ich einmal auf die Eigenheiten dieser Software zur Sprache kommen, heute gibt’s aber erst einmal die Grundlagen ohne Bezug zu einer konkreten Software. Nutzen könnt ihr also, was ihr wollt.

Schriftarten

Beim Erstellen von Plakaten ist die Auswahl einer guten und schönen Schriftart sehr wichtig. Arial und Times New Roman oder auch Calibri hat zwar jeder auf seinem Rechner und lässt sich auch gut für Fließtext verwenden, aber die hat auch jeder schon tausendfach gesehen. Eine gute Seite, um auf Jagd nach neuen Schriftarten zu gehen, ist Font Squirrel. Dort gibt es handverlesene Schriftarten, die 100% kostenlos sind. Rudimentäres Englisch zur Verwendung der Seite sollte genügen.

Serifen und serifenlos

Man kann Schriftarten in wahrscheinliche dutzende Kategorien unterteilen; in Handschriften, dichtengleiche Schriften, Pixelschriften… Eine Unterscheidung ist aber auf jeden Fall wichtig und auch schon sehr alt: Serifenschriftarten, wie zum Beispiel Times New Roman, und serifenlose Schriftarten, wie zum Beispiel Arial oder Helvetica.

Serifen und serifenlosSerifen sind diese „Schnörkel“ bei Times New Roman. Und weil das so schwer zu beschreiben ist, gibt’s dafür ein Zitat aus der Wikipedia und ein Bild als Erklärung.

Als Serife bezeichnet man die (mehr oder weniger) feinen Linien, die einen Buchstabenstrich am Ende, quer zu seiner Grundrichtung, abschließen.

Für Plakate bieten sich vor allem serifenlose Schriftarten an, für Blocktext, also zum Beispiel eure Hausarbeit, vor allem Serifenschriftarten.

Nur zwei Schriftarten

Überschrift in ausgefallener SchriftartBei der Auswahl der Schriftarten solltet ihr euch immer auf zwei verschiedene Schriftarten begrenzen. Eine für die Überschrift und eine für den Text. Die Überschrift darf gerne etwas ausgefallener sein, während man für den „normalen” Text besser auch eine „normale” Schriftart, wie Arial oder besser Source Sans verwendet.

Schriftarten zum Thema

Bei der Auswahl von Schriftarten solltet ihr auf das Thema eurer Veranstaltung achten. Solch eine Schriftart passt sicher zu einem Cowboy-Abend, zum einen stilvollen Dinner bietet sich aber eine ganz andere an. Heute gar eine Todsünde ist die Verwendung von Comic Sans, auch wenn sie sich für einen Kindergeburtstag zum Beispiel anbieten könnte. Da sie aber schon so oft falsch verwendet wurde, ist ihr Ruf einfach dahin.

Genug zum Thema Schriftarten? Ja, dieser Teil ist wirklich lang geworden, er ist aber auch extrem wichtig. Jetzt kann’s aber weitergehen!

Lesefluss

Bei der Gestaltung eures Plakats, wenn ihr euch also entscheidet, was genau wohin soll, ist es wichtig den Lesefluss zu beachten. Man liest automatisch von oben links nach unten rechts. Das gilt zumindest für uns Europäer so, in anderen Teilen der Erde liest man auch manchmal von rechts nach links. „Unser” Lesefluss aber beschreibt ein Z und so solltet ihr auch euer Plakat gestalten. Wichtige, also Aufmerksamkeit erregende Sachen nach links oben – oder so.

Richtungen

Wenn ihr euch dafür entscheidet euren Text oder Grafiken zu kippen, dann müsst ihr ein paar Dinge beachten. Wichtig ist es, dass ihr niemals mehr als zwei Orientierungen verwendet. Und eine davon ist eigentlich immer gesetzt: 0° (zur Horizontalen), denn das liest sich am einfachsten. Soll aber zum Beispiel die Überschrift etwas gekippt werden, dann müssen auch alle weiteren Dinge, die gekippt werden (zum Beispiel eine Unterüberschrift) im gleichen Winkel stehen.

Jetzt steht’s Kopf!

Text, der 90° oder gar 180° gekippt wurde, lässt sich übrigens nur schwer oder gar nicht lesen. Obacht!

Positiv und negativ

Für die meisten Menschen haben Richtungen auch eine Bedeutung. Und die kommt zum Beispiel aus der Börse. Jeder kennt fallende und steigende Aktienkurse. Nach unten fallender Text bewirkt somit meist eine negative Assoziation, ein ansteigender Text dagegen eine positive. Behaltet das also im Hinterkopf, wenn ihr anfangt Objekte zu drehen.

Raster

Hilfslinien zur Platzierung von GrafikenBei der Platzierung eurer Texte und Grafiken holt ihr euch am besten Mal eine Textbearbeitung wie Word oder Libre Office vor Augen. Schreibt ihr dort einen Text hinein, dann ist euer Text an allen Seiten immer gleich weit vom Rand entfernt. Das ist auch wichtig bei eurem Plakat. Alle Grafiken und Texte müssen mit ihren Rändern nur wenige Linien bilden, also auf der gleichen Position stehen. Auch dazu erläuternd mal eine Grafik.

Weißraum

Weißraum eines PlakatesDer Weißraum bei einem Plakat ist grob gesagt der Platz, an welchem kein Text steht, also frei für Grafiken und andere gestalterische Elemente ist. Ich habe auch das mal eingezeichnet.

Wichtig ist, dass euer Weißraum stets zusammenhängend ist und nicht von Text unterbrochen wird. Es darf also nur einen Weißraum geben und nicht gleich mehrere. Den Weißraum kann man übrigens auch in ein Verhältnis setzen, also den Textanteil mit dem Bildanteil und dann mit dem Goldenen Schnitt spielen. Aber das ist dann eher ein Thema einer Hausarbeit im Grafik-Design-Studium oder so.

In den Weißraum packt ihr dann auch eine schöne Grafik, die am besten etwas über eure Aktion aussagt, aber auf jeden Fall bei eurer Zielgruppe Aufmerksamkeit erzeugt. Gelingt letzteres, so ist ersteres fast schon eher unwichtig. Achtet also bei der Auswahl eher auf Originalität, als auf alles andere.

Grafiken und Bilder

Wo wir sie gerade schon angesprochen haben: Grafiken und Bilder. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Und stehlen a la Google-Bildersuche kann euch teuer zu stehen kommen (Abmahnungen etc.). Also lieber auf legale Weise Grafiken besorgen. Entweder man bastelt sie sich selbst (zum Beispiel per Hand zeichnen, einscannen, nachbearbeiten; sehr aufwendig) oder man nutzt eine Datenbank für lizenzfreie Bilder. Ich habe euch hier ein paar Quellen, die man guten Gewissens nutzen kann und was man dabei beachten muss, aufgeführt:

  • Pixelio: Eine lizenzfreie Datenbank. Für nicht-kommerzielle Zwecke kann man alle Bilder nutzen, sofern man Autor und Quelle angibt. Bearbeitungen sind nicht immer erlaubt.
  • Pixabay: Hier könnt ihr alle Grafiken und Bilder nutzen, ohne auch nur irgendetwas beachten zu müssen. Denn die Autoren der Bilder haben dem explizit zugestimmt.
  • openclipart: Eine Sammlung an Grafiken. Auch diese dürft ihr ohne Bedingungen nutzen, denn die Autoren der Bilder haben dem explizit zugestimmt.
  • Wikipedia / Wikimedia Commons: Auch hier kann man alle Bilder nutzen. Allerdings unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. Manchmal muss man gar nichts angeben, manchmal nur den Autoren, manchmal auch die Lizenz oder Quelle. Wer hier Bilder nutzt, soll das gerne tun, sich aber vorher gründlich informieren, was er beachten muss.

Es gibt sicher noch viele andere Quellen und auch solche, die kostenpflichtig sind. Alle aufzuführen wäre wohl unmöglich. Achtet aber immer darauf, dass ihr keine Bilder ungefragt nutzt. Nur wenn der Autor (also der Fotograf oder Zeichner) dem explizit zustimmt, dürft ihr sie auch nutzen.

Vorsicht bei Bildern, die Menschen beinhalten. Auch hier müssen die abgebildeten Personen und ggf. die Erziehungsberechtigten einer Veröffentlichung zustimmen. Bei Bildern von Pixelio haben diese das in der Regel. In Zukunft schreibe ich auch mal ein Artikel zum Recht am eigenen Bild (solange muss es der Wikipedia-Link tun).

Logo

Euer Logo platziert ihr in einer der vier Ecken eures Plakats. Am besten, aber das ist vielleicht auch nur meine Meinung, eignet sich vielleicht die rechte untere. Sorgt für einen weißen Hintergrund, damit das Logo gut zur Geltung kommt und nicht irgendwelche fiese Kontraste mit eurem Hintergrund erzeugt.

Das war’s!

Mein Musterplakat für euchSo, das war alles zur theoretischen Gestaltung eines Posters. Wenn ihr mal einen Flyer designen wollt, dann nehmt einfach euer Poster als erste Seite des Flyers. Ich hab auch mal ein Beispielposter erstellt. So könnte es also aussehen, das gute Teil.

Wahrscheinlich habe ich auch das ein oder andere Detail vergessen, denn es gibt dazu wirklich viel zu erzählen. Viel wichtiger ist aber, dass ihr es einfach ausprobiert, denn es gehört – wie zu fast allem – immer Erfahrung dazu! Viel falsch machen kann man auch nicht, denn fast jedes Plakat ist besser als kein Plakat. Viel Spaß!

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